Übersetzen Lokalisierung

Bedanken verboten

Lokalisierungen sind gut integrierte Übersetzungen: Wenn ich einen Text lokalisiere, übersetze ich nicht nur seine Inhalte. Vielmehr passe ich auch Struktur und Inhalte an die Kultur des Ziellandes an. Die Kunst daran: Ausgangs- und Zieltext müssen in ihrer jeweiligen Sprache die gleiche Wirkung erzielen, ohne die genau gleichen Strukturen und Inhalte zu haben.

Für eine solche Lokalisierung muss ich als Übersetzerin natürlich beide Sprachen und Kulturen sehr gut kennen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass man eine Sprache nur richtig lernen kann, wenn man viel im entsprechenden Land unterwegs ist.

Vom Rad aus habe ich viel über Ungarn gelernt!

Das bestätigte sich bei meinem letzten Aufenthalt in Ungarn:

Ich war krank und wurde von Freunden mit Medikamenten und Hausmitteln versorgt. In dieser unangenehmen, aber letztendlich doch nützlichen Situation habe ich gelernt: Man darf sich in Ungarn für Medikamente nicht bedanken.

Warum genau, das konnte ich nicht herausfinden. Man glaubt wohl, dass es Unglück bringt. Jedenfalls durfte ich nur sagen: „In Ordnung, ich werde es nehmen.“ Aber bedanken geht gar nicht!

Sollte ich also eines Tages einmal einen ungarischen Text übersetzen, in dem sich jemand für ein Medikament seltsamerweise nicht bedankt, dann weiß ich, was ich zu tun habe: auf Deutsch ein „Dankeschön“ einfügen!