Gendern beim Übersetzen

Ganz unauffällig gegendert

Wenn sich Unternehmen an die Öffentlichkeit wenden, müssen sie alle Geschlechter einschließen. Besonders auffällig wird diese Pflicht bei Stellenanzeigen […]

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Gendern im Privatleben

Heute schon gegendert? Manche tun’s grundsätzlich, manche je nach Lust und Laune, manche kriegen Ausschlag bei jedem Glottisschlag.

Zum Glück leben wir in einem freien Land, und im Privatleben darf man es mit dem Gendern halten, wie man will.

Geschlechterneutrale Sprache in Unternehmen

Im Fall von Unternehmen ist das anders. Wenn sie sich an die bunte Öffentlichkeit wenden, muss ihre Sprache die Vielfalt der Geschlechter widerspiegeln. Das ergibt sich aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Stellenanzeigen übersetzen

Besonders auffällig wird diese Pflicht bei Stellenanzeigen. Als ich zum Beispiel eine englischsprachige Anzeige für eine/-n „Senior Marketing Manager“ übersetzte, musste der Titel auf Deutsch lauten:

Leitender Marketingmanager (m/w/d)

Nicht schön, aber muss sein, damit sich wirklich jeder qualifizierte Mensch gleichermaßen angesprochen fühlt.

Dann folgte der Anzeigentext. Die Liste der Voraussetzungen und Aufgaben war in Genderhinsicht kein Problem – aber die Einleitung hatte es in sich. Auf Englisch lautete sie:

There is an exciting opportunity for an enthusiastic and experienced sales professional to lead our channel activities, in a team responsible for managing all aspects of our sales plans and developer/trade liaison.

Im Englischen sind die Berufsbezeichnungen praktischerweise geschlechtsneutral: „sales professional“ und „developer“. Bei der Übersetzung ins Deutsche könnte ich nun jedes Mal gendern. Allerdings macht das den Text schwerer lesbar. Und gerade bei einer Stellenanzeige ist es doch mein Ziel, dass die Leser/-innen gern weiterlesen.

Also beschloss ich, den/die „sales professional“ (Marketingfachmann/-frau) im Deutschen direkt anzusprechen. So vermeide ich nicht nur unnötiges Rumgendern, sondern die Anzeige wirkt tatsächlich „ansprechender“.

Den/die „developer“ (Entwickler/-in) hingegen habe ich zu einem Bereich (Entwicklung) umfunktioniert, was sehr gut zu „Handel“ passt.

Das Ergebnis:

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Ein schönerer Text dank Gendern

In diesem Fall hat die Notwendigkeit zu gendern tatsächlich dazu geführt, dass der deutsche Text mindestens so flüssig ist wie das englische Original. Das gelingt zugegebenerweise nicht immer, aber ich nutze die Gelegenheit gern!

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