Ich sehe was, was du nicht siehst, …

… und das ist denglisch!

Manchmal versteckt sich das Denglische nämlich sehr gekonnt. Dazu schmeichelt es sich bei der deutschen Grammatik ein und tut ganz harmlos.

Ein Beispiel, dem ich kürzlich in einer Unternehmensbroschüre begegnete:

Unser Unternehmen hat sich auf die Schaffung von Mehrwert fokussiert.

Dieser Satz wirkt auf den ersten Blick unauffällig, aber er enthält gleich zwei Anglizismen.

Erstens ist der Gebrauch von „fokussieren“ in diesem Zusammenhang unüblich – bzw. man findet ihn eigentlich nur in halb garen Übersetzungen.

Zweitens wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das englische present perfect („has focused“ oder „has been focusing“) falsch übersetzt: „has focused“ beschreibt eine weiterhin laufende Handlung, „hat fokussiert“ hingegen ist abgeschlossen.

Die richtige Übersetzung würde lauten:

Unser Unternehmen konzentriert sich auf die Schaffung von Mehrwert.

So wird endlich ein deutscher Satz daraus …

Wie macht der Fisch?

Große Aufregung in Ungarn: Ein ungarischer Film hat den Oscar für den besten Kurzfilm gewonnen.

„Mindenki“ erzählt von einem Schulchor, in dem nur die besten Sänger tatsächlich singen dürfen. Die anderen dürfen nur ihren Mund bewegen.

Als wir im Ungarischunterricht darüber sprachen, benutzte die Lehrerin ein Wort, das niemand verstand. „So macht der Fisch“, war ihre Erklärung.

Es stellte sich heraus, dass es auf Ungarisch tatsächlich ein Wort gibt, das „stumm den Mund bewegen“ bedeutet: „tátog“.

Da blieb uns dann wirklich der Mund offen stehen …

Eine englische Unart

Eine Kollegin von mir versah vor Kurzem ein Lektorat mit einer sehr treffenden Anmerkung: „Die Voranstellung des Eigennamens ist eine aus dem Englischen stammende Unart.“

Es ging um eine Datenbank, die mit ihrem Eigennamen bezeichnet wurde. Im Englischen schreibt man dann: „the UNART database“. Es ist verlockend, diese Bezeichnung einfach mit „die UNART-Datenbank“ ins Deutsche zu übersetzen. Korrekt und „deutscher“ ist aber „die Datenbank UNART“.

Falscher Freund im Doppelpack

Heute fiel mir bei einem Lektorat ein heimtückischer falscher Freund auf. Er lauert im Englischen und im Französischen auf den unerfahrenen Übersetzer: „collaboration“.

Zwar gibt es im Deutschen eine genaue Entsprechung („Kollaboration“), doch Achtung: Im Deutschen ist die Bedeutung eine andere als im Englischen und Französischen. „Falscher Freund im Doppelpack“ weiterlesen

Frühstück bei der Nacht der Übersetzung

Nacht der Übersetzung im Centre françaisIch bin keine Literaturübersetzerin. Trotzdem wollte ich mir die Nacht der Übersetzung im Institut français in Berlin zum Thema Literaturübersetzen nicht entgehen lassen.

Meine Sorge, dass durchgängig auf meine Zunft, nämlich Übersetzer von Sach- oder Gebrauchstexten, eingeprügelt würde, war zum Glück unbegründet.

Ganz im Gegenteil. „Frühstück bei der Nacht der Übersetzung“ weiterlesen