Wie macht der Fisch?

Große Aufregung in Ungarn: Ein ungarischer Film hat den Oscar für den besten Kurzfilm gewonnen.

„Mindenki“ erzählt von einem Schulchor, in dem nur die besten Sänger tatsächlich singen dürfen. Die anderen dürfen nur ihren Mund bewegen.

Als wir im Ungarischunterricht darüber sprachen, benutzte die Lehrerin ein Wort, das niemand verstand. „So macht der Fisch“, war ihre Erklärung.

Es stellte sich heraus, dass es auf Ungarisch tatsächlich ein Wort gibt, das „stumm den Mund bewegen“ bedeutet: „tátog“.

Da blieb uns dann wirklich der Mund offen stehen …

Eine englische Unart

Eine Kollegin von mir versah vor Kurzem ein Lektorat mit einer sehr treffenden Anmerkung: „Die Voranstellung des Eigennamens ist eine aus dem Englischen stammende Unart.“

Es ging um eine Datenbank, die mit ihrem Eigennamen bezeichnet wurde. Im Englischen schreibt man dann: „the UNART database“. Es ist verlockend, diese Bezeichnung einfach mit „die UNART-Datenbank“ ins Deutsche zu übersetzen. Korrekt und „deutscher“ ist aber „die Datenbank UNART“.

Falscher Freund im Doppelpack

Heute fiel mir bei einem Lektorat ein heimtückischer falscher Freund auf. Er lauert im Englischen und im Französischen auf den unerfahrenen Übersetzer: „collaboration“.

Zwar gibt es im Deutschen eine genaue Entsprechung („Kollaboration“), doch Achtung: Im Deutschen ist die Bedeutung eine andere als im Englischen und Französischen. „Falscher Freund im Doppelpack“ weiterlesen

Frühstück bei der Nacht der Übersetzung

Nacht der Übersetzung im Centre françaisIch bin keine Literaturübersetzerin. Trotzdem wollte ich mir die Nacht der Übersetzung im Institut français in Berlin zum Thema Literaturübersetzen nicht entgehen lassen.

Meine Sorge, dass durchgängig auf meine Zunft, nämlich Übersetzer von Sach- oder Gebrauchstexten, eingeprügelt würde, war zum Glück unbegründet.

Ganz im Gegenteil. „Frühstück bei der Nacht der Übersetzung“ weiterlesen

Kann denn Sprache Zufall sein?

img_3532Langer Lauf durch den herbstlichen Westerwald. Nach ein paar Hügeln Runner’s High. Und in diesem Zustand schafft mein Gehirn auf einmal eine interessante Verbindung: Der Herbst als Jahreszeit (engl. season) ist für mich das Salz in der jährlichen Suppe – sozusagen das seasoning (die Würze).

Ich weiß nicht, ob sprachgeschichtlich tatsächlich eine Verbindung zwischen beiden Begriffen besteht. Aber falls nicht, dann habe ich jetzt eine schöne Volksetymologie in die Welt gesetzt.

Höflichkeit à la française

Ich erkläre es mir mit der französischen Höflichkeit: Im Französischen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die direkte Befehlsform (z. B. „Bitte stehen Sie auf“) zu vermeiden. Etwa mit dem Ausdruck „veuillez vous lever“, wörtlich „möchten Sie aufstehen“.

Im öffentlichen Leben, in Ratgebern und Ähnlichem findet sich oft eine weitere Ausdrucksweise: Die Aufforderung wird in der ich-Form beschrieben.

Im Bus liest man dann: „Ich biete älteren Personen meinen Platz an“ statt „Bitte bieten Sie älteren Personen Ihren Platz an“.

In einem Ratgeber für Diabetiker, den ich kürzlich übersetzt habe, stand: „Je porte une attention particulière à tout changement de mes pieds.“ Wörtlich übersetzt: „Ich achte besonders auf jegliche Veränderung an meinen Füßen.“ Das hört sich auf Deutsch allerdings sehr seltsam an.

Ein erfahrener Übersetzer versteht, was gemeint ist, und schreibt: „Achten Sie besonders darauf, ob Ihre Füße sich verändern.“