Kann denn Sprache Zufall sein?

img_3532Langer Lauf durch den herbstlichen Westerwald. Nach ein paar Hügeln Runner’s High. Und in diesem Zustand schafft mein Gehirn auf einmal eine interessante Verbindung: Der Herbst als Jahreszeit (engl. season) ist für mich das Salz in der jährlichen Suppe – sozusagen das seasoning (die Würze).

Ich weiß nicht, ob sprachgeschichtlich tatsächlich eine Verbindung zwischen beiden Begriffen besteht. Aber falls nicht, dann habe ich jetzt eine schöne Volksetymologie in die Welt gesetzt.

Höflichkeit à la française

Ich erkläre es mir mit der französischen Höflichkeit: Im Französischen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die direkte Befehlsform (z. B. „Bitte stehen Sie auf“) zu vermeiden. Etwa mit dem Ausdruck „veuillez vous lever“, wörtlich „möchten Sie aufstehen“.

Im öffentlichen Leben, in Ratgebern und Ähnlichem findet sich oft eine weitere Ausdrucksweise: Die Aufforderung wird in der ich-Form beschrieben.

Im Bus liest man dann: „Ich biete älteren Personen meinen Platz an“ statt „Bitte bieten Sie älteren Personen Ihren Platz an“.

In einem Ratgeber für Diabetiker, den ich kürzlich übersetzt habe, stand: „Je porte une attention particulière à tout changement de mes pieds.“ Wörtlich übersetzt: „Ich achte besonders auf jegliche Veränderung an meinen Füßen.“ Das hört sich auf Deutsch allerdings sehr seltsam an.

Ein erfahrener Übersetzer versteht, was gemeint ist, und schreibt: „Achten Sie besonders darauf, ob Ihre Füße sich verändern.“