Kein Ungarisch in der Ammenmilch

Übersetzerin Ungarisch

Wenn ich über den ungarischen Vokabeln brüte, tröstet es mich, dass auch große ungarische Persönlichkeiten schon an dieser Sprache verzweifelt sind.

Sogar der „größte Ungar“ (Stephan Graf Széchenyi, 1791 bis 1860), dessen Name in Ungarn allgegenwärtig ist, sprach wohl nur schlecht Ungarisch.

Das lag daran, dass er (wie viele ungarische Adlige) von deutschsprachigen Ammen aufgezogen wurde. Später soll er versucht haben, Ungarisch zu lernen – bis er es aufgab, weil es ihm zu schwer war.

Ich bin also in guter Gesellschaft – aber aufgeben kommt für mich nicht in Frage!

Wie macht der Fisch?

Große Aufregung in Ungarn: Ein ungarischer Film hat den Oscar für den besten Kurzfilm gewonnen.

„Mindenki“ erzählt von einem Schulchor, in dem nur die besten Sänger tatsächlich singen dürfen. Die anderen dürfen nur ihren Mund bewegen.

Als wir im Ungarischunterricht darüber sprachen, benutzte die Lehrerin ein Wort, das niemand verstand. „So macht der Fisch“, war ihre Erklärung.

Es stellte sich heraus, dass es auf Ungarisch tatsächlich ein Wort gibt, das „stumm den Mund bewegen“ bedeutet: „tátog“.

Da blieb uns dann wirklich der Mund offen stehen …

Eine Bähung für die Augen

Ungarisch uebersetzenEine Fremdsprache zu lernen bringt oft unerhoffte Einblicke in die eigene Sprache. Manchmal zum Beispiel entdecke ich dabei deutsche Wörter, die ich noch nicht kannte.

So neulich im Gespräch mit meinem ungarischen Tandempartner. Seine Augen vertragen nämlich keine Klimaanlagen, weshalb er sich ein „borogatás“ gegönnt hat. Ein kurzer Blick ins Wörterbuch ergab: Das ist eine „Bähung“. What the …???

Wikipedia war ratlos, doch der Duden wusste Rat: Es handelt sich um eine „Heilbehandlung mit warmen Umschlägen oder Dämpfen“.

Na dann gute Besserung – jobbulást kívánok!

Übersetzung Silbe für Silbe

IMG_2881Oft bin ich erstaunt, wie genau sich manche (leider bei Weitem nicht alle) ungarischen Verben ins Deutsche übersetzen lassen.

Zum Beispiel das Verb „felad“. Silbe für Silbe heißt es „auf-geben“. Und tatsächlich hat es im Ungarischen, genau wie im Deutschen, zwei ganz unterschiedliche Bedeutungen: im Sinne von „einen Brief aufgeben“ und von „das Handtuch schmeißen“.

Hin und wieder habe ich dadurch als Deutsche einen Vorteil beim Ungarischlernen, aber leider kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Übersetzung immer so direkt ist.

Befehle ohne Ende

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Ein Stillleben aus dem Ungarischkurs: Das sind die Verbtabellen allein für die Befehlsform in der Gegenwart.

Falls ich’s noch nicht erwähnt hatte: Die Ungarn erteilen jeder Person in jeder Zeit Befehle. Also auch sich selbst und nicht anwesenden Personen. Übersetzt wird das oft mit „sollen“: menjen heißt so viel wie er soll gehen. Und als kleines Schmankerl gibt es jede Menge Unregelmäßigkeiten bei der Formbildung.