Frühstück bei der Nacht der Übersetzung

Nacht der Übersetzung im Centre françaisIch bin keine Literaturübersetzerin. Trotzdem wollte ich mir die Nacht der Übersetzung im Institut français in Berlin zum Thema Literaturübersetzen nicht entgehen lassen.

Meine Sorge, dass durchgängig auf meine Zunft, nämlich Übersetzer von Sach- oder Gebrauchstexten, eingeprügelt würde, war zum Glück unbegründet.

Ganz im Gegenteil. In der „Gesprächsrunde zur literarischen Übersetzung und den Grenzen des Unübersetzbaren“ machte Holger Fock (Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer u. wissenschaftlicher Werke) eine Aussage, die mir aus dem Herzen spricht: Seiner Meinung nach ist die Übersetzung von Sachtexten keine geringere Herausforderung als diejenige von literarischen Texten. Die größte Schwierigkeit beim Übersetzen sieht er, unabhängig von der Textart, darin, ob der Ausgangstext „gut“ oder „schlecht“ geschrieben ist.

Und dieser Ansicht schließe ich mich rückhaltlos an. Einem gut geschriebenen Text kann der Übersetzer größtenteils folgen. Was an sich schon schwierig genug ist. Einen schlecht geschriebenen Text hingegen muss der Übersetzer, zumindest wenn er den entsprechenden Ehrgeiz hat, innerhalb seiner (schwer zu definierenden) Grenzen auch noch verbessern – sei es im Stil, in der Logik oder gar im Inhalt.

Die nächste Frage in der Gesprächsrunde war zu erwarten: Wie aber definiert man einen „guten“ und einen „schlechten“ Text?

Woraufhin Olivier Mannoni ganz trocken fragte, ob das Institut français denn ein Frühstück bereitstellt …

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